René Schlittler wurde 1929 als Sohn einer Appenzellerin und eines Glarners in Basel geboren – eine ungewöhnliche Mischung, die Schlittler selbst gerne zur Erklärung seines kritischen und hartnäckigen Charakters heranzog. Nach einer Töpferlehre und der Kunstgewerbeschule in Basel und Zürich entschied er sich für ein Leben als Künstler: „Ich hätte gar nichts anderes machen können“, sagt er heute. Sein Weg führte von der Keramik über die Bildhauerei, Malerei und Installation zur (Klang-)Performance. 1964 war er einer der ersten Mieter der Ateliergenossenschaft Basel, jahrzehntelang hat er den Ausstellungsraum Klingental technisch und künstlerisch betreut.

Nach einer abstrakt-geometrischen Phase fand René Schlittler bald zu einer nicht gegenständlichen Zeichen-Malerei. Die ausdrucksstarken Werke der 1960er-Jahre sind geheimnisvoll und zeigen in unzähligen Varianten ein Symbol, das wie ein kryptisches Zeichen aus einer vergangenen (oder kommenden) Epoche anmutet: „Als Bildhauer suchte ich nach einer Form, die mehr ist als nur eine dekorative Aussage. So kam ich zum Symbol. Ich suchte nach einem Zeichen, das in seiner Qualität uralt sein könnte und doch eine Neuschöpfung ist.“ René Schlittler fand sein Thema im Jahrhundert-Wort „Atom“. Der Ost-West-Konflikt und die Vorstellung der Vernichtung der Menschheit durch einen Atomkrieg waren omnipräsent: „Aus dem Wort Atom hat sich ein Kennzeichen entwickelt, das in seiner Kraft die Macht und die Ohnmacht unserer Zeit zum Ausdruck bringt. Es symbolisiert die technische Grösse der Kernspaltung sowie die Spaltung des Menschen als Zeiterscheinung.“ Mehr als ein Jahrzehnt erforschte der Künstler das nie ganz ausschöpfbare Buchstaben-Symbol in unterschiedlichsten künstlerischen Formen und Techniken.

Symbole beschäftigten René Schlittler weiterhin. Das Neukombinieren von Elementen, das Verschmelzen von Inhalten und das Produzieren von Bedeutungsüberschuss wurden zu seinem künstlerischen Prinzip. Im Gespräch tut sich eine intensive Auseinandersetzung mit Kunst- und Kulturgeschichte, Mystik, Esoterik, Anthroposophie und fern-östlichen Philosophien kund. Immer wieder kommt der fast 90-jährige Künstler auf Dualismen wie Materie und Geist oder Ursprung und Moderne, auf die gegensätzlichen Prinzipien des Weiblichen und Männlichen, auf Mythen und historische Begebenheiten zu sprechen – Elemente, um die auch sein Schaffen kreist.
René Schlittler hat nicht nur das Weltgeschehen, sondern auch die Basler (Kultur-)Politik ein Leben lang mitverfolgt und nicht nur künstlerisch kommentiert.

Ein Basler Urgestein. Sein Lebenswerk archiviert von ARK BASEL.